Lektion für Catherine Ashton
GUY KEMP gkemp@tageblatt.lu
Die neue EU-Außenministerin Catherine Ashton dürfte gestern um einige Illusionen ärmer geworden sein, nachdem sich die 27 auf den Wortlaut ihrer Schlussfolgerungen zum Nahost-Konflikt im Außenministerrat geeinigt hatten. Sie wird sich als Vertreterin einer halben Milliarde europäischer Bürger auf der internationalen Bühne immer nur mit einer nach langem Austarieren und Filtern gefundenen Position neben die Großen dieser Welt stellen und ihr derart verbliebenes Stimmchen erheben. Selbst der Außenminister aus dem kleinen Luxemburg darf, im Gegensatz zu ihr, Tacheles reden und in einer „klaren Sprache“, so wie er es für richtig hält, einen Elefanten einen Elefanten nennen, wenn dieser im Raum sitzt und sonst niemand das wahrhaben will.
Insofern war dies eine überaus wichtige außenpolitische Lektion, vor allem aus Sicht der EU-Großen, die Catherine Ashton also gestern im Ratsgebäude in Brüssel erhielt. Und wenn sie diese nun auch noch verinnerlichen sollte, dann dürften die Europäer keine allzu großen Erwartungen an ihre künftige gemeinsame Außenpolitik stellen. Diese wird auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner angesiedelt bleiben und noch lange kaum etwas Eigenständiges entwickeln können, womit sich der Kontinent von der Summe seiner Teil-Außenpolitiken abheben könnte.





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